Warum der Staat der Juden nicht Juda heißt, ihre Sprache nicht Jüdisch und die Judenfeindschaft nicht Antijudaismus

Die Juden sind nach einer biblischen Gestalt benannt, nach Juda, dem vierten Sohn des Patriarchen Jakob. Warum heißt ihr Staat nicht Juda, sondern Israel, ihre Sprache nicht Jüdisch, sondern Hebräisch, und die Judenschaft nicht Antijudaismus, sondern Antisemitismus? Hier die Antworten:

Die Juden und Israel

Aus den insgesamt zwölf Söhnen Jakobs gingen die Stämme Israels hervor. Israel ist ein anderer Name, den Jakob getragen hat. Deshalb wurden seine Nachkommen die Israeliten genannt und das ihnen zur Zeit des Moses verheißene Land Israel. Als das um 1000 v. Chr. bestehende Königreich Israel zerfiel, blieb nur der Stamm Juda als Staatsvolk übrig, bis die Juden um 100 n. Chr. von den Römern geschlagen und aus ihrem Stammland Palästina vertrieben wurden. Durch die Jahrhunderte hindurch blieb ihre Sehnsucht lebendig, einst zurückzukehren und alle Stämme Israels aus der Diaspora wieder zusammenzuführen. Um 1900 nahm diese Sehnsucht konkrete Gestalt an, und 1948 wurde Israel auf dem alten Territorium neu gegründet.

Die Juden und das Hebräisch

Das Hebräisch ist eine nach den Hebräern und ihrer Stadt Hebron benannte Sprache. In Hebron (Westjordanland) befinden sich die Grabstätten der großen biblischen Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob. Die bis zum Auszug aus Ägypten aramäisch sprechenden Israeliten nahmen nach ihrer Landnahme in Kanaan das Hebräisch der dort ansässigen Bevölkerung an. Daher ist der alttestamentliche Teil der Bibel hebräisch (bei weitem überwiegend) und aramäisch abgefasst.

Die Juden und der Antisemitismus

Antisemitismus wird gewöhnlich mit Judenfeindschaft gleichgesetzt. Das war auch mit dem im 19. Jahrhundert aufgekommenen Begriff gemeint. Von Antisemiten angefeindet werden die Juden vorrangig als "Rasse". Nach dem Wortsinn jedoch sind nicht nur die Juden Semiten, sondern alle Völker des Alten Orients, von den Arabern bis zu den Maltesern. Namensgeber der Semiten ist Sem, ein Sohn Noahs, des biblischen Erbauers der Arche. Seine drei Söhne wurden nach der Sintflut die Stammväter aller Menschen: Sem, der älteste, der Stammvater der Orientalen; Ham, der mittlere, zum Stammvater der Schwarzafrikaner; und Jafet, der jüngste, zum Stammvater aller übrigen.

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